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Das Einkleben von Zeitungs-, Tapeten und Textilausschnitten in ein Tafelbild ist keine Erfindung Schwitters. Kubisten und Futuristen taten dies schon ab etwa 1912. Etwa zeitgleich mit Schwitters schufen auch Dadadisten wie Raoul Hausmann oder Max Ernst Bilder, die nur noch aus zusammengesetzten Fragmenten bestanden.
Das Aufsehenerregende der frühen Schwitterschen Collagen aber war, daß er "unschöne", dreckige Materialien aus Straßengossen und den Müll einer industrialisierten Welt verwendete, und diese Technik zum grundsätzlichen künstlerischen Prinzip erhob. Kunstfremde Materialien zu einem Bild zu fügen, bedeutete Schwitters nicht so sehr den Bruch mit einer Bildtradition, als vielmehr eine Bereicherung künstlerischer Gestaltungsmöglichkeiten. Schwitters malte und zeichnete mit "allen erdenklichen Materialien". Unter einem künstlerischen Bild verstand er eine Fläche, auf der Farben und Formen rhythmisch geordnet werden. Und er wollte dazu nicht nur die traditionellen künstlerischen Utensilien - Farben, Stift und Pinsel - nutzen, sondern auch Papiere, Stoffe und Folien - Materialien mit verschiedensten Oberflächenstrukturen -, um zusätzliche gestalterische Qualitäten ins Bild zu nehmen. Warum er sich für das eine oder andere Fragment entschied, begründete Schwitters nicht näher: er fand es, nahm es und klebte es ein, "wenn das Bild es verlangt". Wesentlich sei nicht die ursprüngliche Funktion des Gefundenen, auch nicht die Inhalte etwa der Texte, die mit dem Fragment ins Bild gelangen, sondern nur seine formalen Qualitäten: Größe, Form, Struktur, Materialität, Anordnung im Bild. Insofern sind Schwitters Collagen abstrakte Bilder. Obwohl er eine semantische Interpretation seiner Arbeiten ablehnte, schwingen in den Collagen doch häufig inhaltliche Lesarten mit: die gewählten Fragmente tragen deutliche Spuren ihrer ursprünglichen Kontexte oder lösen Assoziationen aus, denen man sich kaum entziehen kann. Wenn, so Schwitters, die Bedeutung des Materials einen eigenen Faktor in der Gestaltung leistet, dann wird sie zu einem wesentlichen Element des Bildes. Sie wird zu einer weiteren Qualität, nicht aber zu seinem Gegenstand. Die Collagen bearbeiten Themen wie "Bewegung und Kommunikation in der Großstadt" oder "Ländliche Stimmungen", aber diese Motive und Inhalte bilden immer nur eine von mehreren Ebenen in einem vielschichtigen Bild. |
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