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Ich stelle hier ausdrücklich fest, daß es die Frau jenes angesehenen Redakteurs und Kritikers Feuerhake, einer der angesehensten Zeitungen der Stadt Revon war, welche jetzt ohnmächtig in den Armen ihres Gatten lag. Blut rinste Eimer dick fest Peitsche Quirl Zitrone. Die Leute standen Spalier, während Frau Amalie von ihrem Gatten und einem herbeigeeilten Arzte zur Seite auf eine Rasenbank geschleift wurde. Das Lornjong fuhl dabei unter die Menge, worüber sie fast wieder zum Bewußtsein erwacht worden wäre. Und der Mann stand immer noch.
Während ein Teil der Menge sich mit Interesse um Frau Dr. Amalie gruppierte, war es Anna Blume möglich, ein wenig näher vorzukommen. Sie sah jetzt den Mann ganz deutlich, ein schöner Mann, ein wenig zerlumpt angezogen, so etwa wie der Volksmund sich Franz Müller vorstellt. Der Anzug war auch etwas eigenartig. Anna Blume dachte dabei etwa an die Merzplastiken des Autors. Er war nicht etwa gestopft oder geflickt, sondern mit Brettern vernagelt und mit Draht umspannt. Anna Blume dachte dabei etwa an die Merzplastiken des Autors; ekelhaft, so etwas in die Tat umzusetzen; eine wandelnde Merzplastik, d. h. der Mann wandelte ja gar nicht, der Mann stand. Er tat ihr so leid, sie wußte nicht weshalb. Es ist dieses übrigens die Stelle, wo der Autor den Anfängern einer Liebe zwischen Anna Blume und Franz Müller nachspüren könnte. Jedoch tut er dieses nicht, sondern wendet seine Aufmerksamkeit Alves Bäsenstiel zu. Alves Bäsenstiel benutzte die ganze Aufregung um die Ohnmacht der Frau Dr. Amalie, um näher an den stehenden Mann heranzukommen. Gerade als Frau Schön »Pfuideubel« sagte, mitten auf das Parkett spuckte und sich dadurch zum Mittelpunkt des
lebhaftesten Interesses machte, marschierte Alves Bäsenstiel vor, unmittelbar vor das Gesicht des Mannes. Der Mann stand immer noch, er hatte, wie der Chronist Hans Arp sagt, ohne Frage einen sehr schweren Stand.
Plötzlich sagte Alves Bäsenstiel: »Ihr Leute hört auf mich, seht diesen Mann an, dieser Mann fordert Euch heraus. Dieser Mann, der hier steht, steht hier, dieser Mann fordert Euch heraus, dieser Mann, der hier steht, dieser Mann fordert Euch heraus, dieser Mann steht hier. Der Mann, der Euch herausfordert, steht hier, der Mann, der hier steht, fordert Euch heraus, der Mann, der hier steht, steht hier, der Mann, der Euch herausfordert, fordert Euch heraus; das kommt aber einer Herausforderung gleich, oder denkt Ihr etwa, der Mann stände hier bloß zum Spaß; o nein, zum Spaß steht niemand nirgends. Dieser Mann hat eine Absicht, wenn er hier steht, seht ihn an, wie er hier steht, so steht keiner ohne Absicht. Aber was wird seine Absicht sein? O Ihr einfältigen Toren, Ihr könnt natürlich den Schwindel nicht durchschauen; aber ich weiß, welche Absicht er hat, ich kenne diese Art Menschen. Der Mann ist ein Verführer, ein Verführer des Volkes.« »Bravo«, jubelte die Menge. »Du bist belogen, Volk, Du wirst belogen, Volk, Dein Los ist Lüge.« »Bravo«, jubelte die Menge. »Ich aber sage Euch die Wahrheit, der Mann ist ein Verführer, wer aber Euch verführt, beleidigt Euch. Ein Volk darf sich aber nicht beleidigen lassen. Ein Volk, das Ehre hat, zu beleidigen, kommt aber einer Majestätsbeleidigung gleich. Ein beleidigtes Volk, das Ehre hat, muß handeln. Männer von Revon, habt Ihr Ehre? Dann handelt, handelt, handelt! Wenn Ihr nicht handelt, beschämt Euch dieser Mann.« »Bravo«, jubelte die Menge. - »Der Mann hat Euch schon beschämt, der Mann ist ein Beschämer. Ein Beschämer ist ein Dorn im Auge des Volkes. Wollt Ihr einen Dorn in Euerm Auge dulden? Männer von Revon, Balken kann man im Auge haben, Balken darf man im Auge haben, denn Balken sind gesetzlich erlaubt, Dornen aber nicht. Balken machen den Menschen sehend, daß er die Splitter im Auge des Nächsten erkennt, Dornen aber schmerzen und machen den Menschen blind. Dieser Mann ist kein Balken, dieses Mann ist ein Dorn!« - »Bravo«, jubelte die Menge. »Wißt Ihr, was man mit einem Dorn im Auge tut?« - »Bravo«, übereiferte sich die Menge.
[Fortsetzung auf Seite 7] |
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Franz Müllers Drahtfrühling |
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Ein unvollendeter Roman |
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