Franz Müllers Drahtfrühling
Ein unvollendeter Roman
    Erstes Kapitel
Ursachen und Beginn der großen glorreichen Revolution in Revon
 
 
 
  Merzprosa  
 
  Prosa neuer Sachlichkeit  
 
 
  Franz Müllers Drahtfrühling

(Abdruck und Übersetzung, Verfilmung und Vortrag verboten)

Was müssen das für Bäume sein,
wo die großen Elefanten spazieren gehen,
ohne sich zu stoßen

Das Kind spielte. Und sah einen Mann stehen. »Mama« sagte das Kind; die Mutter: »Ja«. - »Mama« - »Ja« - »Mama« »Ja« - »Mama, da steht ein Mann!« - »Ja« - »Mama, da steht ein Mann!« - »Ja« - »Mama, da steht ein Mann.« »Wo?« - »Mama, da steht ein Mann.« - »Wo?« - »Mama, da steht ein Mann.« - »Wo steht ein Mann?« - »Mama, da steht ein Mann!« - »Wo steht ein Mann?« - »Mama, da steht ein Mann!« - »Ach was!« - »Mama, da steht ein Mann!« - »Laß doch den Mann stehen.« - »Mama, da steht ein Mann!« Die Mutter kommt. Tatsächlich steht da ein Mann. Merkwürdig, was mag der da wohl zu stehen haben? Man sollte doch lieber den Vater mal rufen. Die Mutter: »Vater!« Der Vater: »Jawohl.« - »Vater, da steht ein Mann.« Jawohl« ... »Vater, da steht ein Mann.« - »Laß ihn stehen.« - »Vater, da steht ein Mann.« - »Was will denn der Mann?« - »Das weiß ich nicht, frag ihn doch mal!« - »Laß doch den Mann stehen!« - »Vater, nun komm aber endlich, da steht jemand und steht.« - Der Vater kommt. Tatsächlich, da steht jemand und steht. »Mein Herr, warum stehen Sie da?« - Der Mann steht. »Mein Herr, aus welchem Grunde stehen Sie da?« ... Der Mann steht. Das ist doch ganz außerordentlich, da steht ein Mann und antwortet nicht. »Mein Herr, ich frage Sie zum dritten Male, weshalb stehen Sie da?« - Der Mann steht.
Es kommt jemand vorbei. »Herr Nachbar, kommen Sie mal, da steht ein Mann.« - »Was ist los?« - »Da steht ein Mann.« - »Wieso?« - »Da steht ein Mann.« - Der Nachbar kommt. Tatsächlich steht da ein Mann. Es kommen Leute vorbei, es bildet sich eine Gruppe von Leuten um den Mann. Fragen werden laut, wie: »Warum steht der Mann da?« »Weshalb steht der Mann da?« - »Wo steht denn ein Mann?« - »Mann, warum stehen Sie?« - »Herr, weshalb stehen Sie?« - Der Mann steht. Unter der Menge, welche den Mann umsteht, befindet sich übrigens noch ein Fremdling. Keiner kennt ihn. Der Autor verrät, daß er Alves Bäsenstiel heißt. Der Mann steht. Es ist dies derselbe Alves Bäsenstiel, der meinen verehrten Lesern aus seiner Erzählung von der Zwiebel her bekannt ist: »Es war ein sehr begebenwürdiger Tag, an dem ich geschlachtet werden sollte.« (Revon in Familienflaschen ä 2,50 M.) Der Mann steht.
Inzwischen kommen andere Leute vorbei und bleiben stehen. »Was ist denn hier los?« - »Warum stehen denn die Leute da?« - »Weshalb stehen denn die Leute da?« - »Ist etwa jemand angefahren?« - »Da steht ein Mann.« »Wieso?« - »Der steht da.« - »Wieso steht der da?« - »Der steht da.« - »Was will der denn?« - »Der steht da.« - »Ja, wieso steht denn der da, der muß doch was wollen.« - »Das wissen wir eben auch nicht.« - Frau Schön befindet sich übrigens auch unter den Anwesenden, jedoch das wird den Leser kaum weiter interessieren. Der Mann steht.


[Fortsetzung auf Seite 2]
 
 
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