Anna Blume
Merzgedicht 1
    Zweites Kapitel
 
 
 
  Merzdichtung  
 
  Konkrete Poesie  
 
 
  Die Sitzung wurde nun bewegt.
Einige begannen mit Stuhlbeinen zu werfen, andere bemühten sich vergeblich, den Bänken die Beine auszudrehen.
Dazwischen schrillte das Telefon.
Da rief der junge Künstler, nennen wir ihn Bernwurst, sein Name ist Bernhard Wurst und wird ewig Bernhard Wurst bleiben: »Ach du liebes bißchen, das ist ja hanebuchen! Das betreffende Bild ist mäßig, verhältnismäßig mäßig, denn dafür daß es mäßig ist, ist's noch verhältnismäßig.« Da sagte Frau Schnee: »Wer will denn jetzt etwas von Bildern wissen«, und Bernwurst antwortete: »Frau Schnee, lernen Sie erst mir und mich zu unterscheiden, dann werden Sie auch in Bildern denken können, wie ich.«
»Sie können überhaupt nicht denken«, sagte Alves Bäsenstiel, da erhielt er wieder einen Qualster.
Dieses Mal wurde er erregt. Er sprang auf den Tisch, was einen großen Eindruck unter der Menge machte, und rief: »Schweigt, Ihr Nullen!« Und tatsächlich schwiegen alle, und Alves Bäsenstiel hatte Gelegenheit zu reden. Er sagte:
»Null ist nichts, das weiß jeder, aber oft kann Null etwas werden.«
»Hört, hört!« sagte die Menge. »Das Wichtigste ist, daß zunächst aus der Null eine Eins wird.« »Hört, hört«, sagte die Menge.
»Dann braucht man nur die Null mit irgend etwas zu multiplizieren, und sie wächst.«
»Eine 3«, sagte Frau Dr. Amalie Feuerhake, und indem sie sich an ihren Mann wandte: »Leopold, Du kannst wohl nicht auch einmal den Mund auftun?«
»7«, sagte Herr Dr. Friedrich August Leopold Kasimir Amadeus Gneomar Lutetius Obadja Jona Micha Nahum Habakuk Zephanja Hagai Sacharja Maleachi Feuerhake.
»7, das geht nicht, aber 9«, sagte sehr ernst Alves Bäsenstiel.
»27«, sagte Bernwurst.
»Gut, gut, 108«.
Und nun begann das Überbieten. »Tausend« war das nächste Gebot, dann »30 000«, »Hunderttausend«, »eine Million«, »300 Billionen«. »Halt«, sagte wieder Alves Bäsenstiel, »es hat ja wirklich keinen Zweck, weiter in die Trilliarden zu gehen, aber es ist viel wichtiger, die Gefahr zu erkennen, die in solch einer Null liegt.«
»Hört, hört«, lärmte die Menge.
»Wer ist die Null?« fragte Frau Schnee.
»Habt Ihr nicht den Mann stehen sehen?« fragte Alves Bäsenstiel.
In diesem Augenblick wurde er unterbrochen. Der Mann trat ein.
Der Autor unterbricht hier zunächst auch den Zusammenhang, um dem stehenden Manne zu folgen, als er freundlich nach allen Seiten grüßend ging, aber nicht mit dem Beamten, sondern in entgegengesetzter Richtung.


[Fortsetzung auf Seite 12]
 
 
  Franz Müllers Drahtfrühling  
  Ein unvollendeter Roman  
 
 
 
   
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