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| FÜNFTE SZENE
Auf dem grünen Globe (In der Mitte der Bühne eine Drehscheibe, die einen karussellartigen Raum abtrennt, der biedermeierartig eingerichtet ist. Kaffeetisch, Lehnsessel mit Antimaccassars, alles ist wie Großmamas gute Stube. Die Hinterwand der Bühne zeigt Fenster mit Mullgardinen, Biedermeierblumentapete mit ovalem Bildchen. Kaltes Tageslicht, das jedoch mit dunkler Nacht wechselt, während sich die karussellartige Drehscheibe dreht. Die erste Umdrehung dauert 2,5 Minuten und wird allmählich schneller, schließlich dauert eine Umdrehung 1 Minute. Bis auf die Umdrehungen und das Tempo ist alles auf dem grünen Globus so wie auf der Erde, nur rückständiger. Die Mode hält bei 1912, die Damen stecken in engen langen Kleidern, tragen evtl. Riesenhüte mit Blumen, die Herren Gehrock, Zylinder und Schnurrbart (»es ist erreicht«). Heinrich und Agnes befinden sich am Kaffeetisch, Heinrich zündet bei jedem Dunkelwerden einmal eine Petroleumlampe an. Alle Worte und Bewegungen sind schleppend langsam.) VIOLINA: Warum dreht sich denn das Zimmer ununterbrochen? REGISSEUR: Ich will damit andeuten, daß der grüne Globus als kleiner Stern sich sehr schnell um die eigene Achse drehen muß. (Pause.) AGNES: Wie lang die Tage jetzt schon werden. HEINRICH: Wir nähern uns der Erde, daher hört unser Dreh langsam auf. (Pause.) AGNES: Werden wir an der Erde zerschmettert werden? HEINRICH: Voraussichtlich, vielleicht. (Pause.) VIOLINA: Weshalb machen die immer, so lange Pausen? REGISSEUR: Um anzudeuten, daß es da drüben nicht kurzweiliger ist, als auf der Erde. (Pause.) AGNES: Und was wird mit der Erde? HEINRICH: Brennt vielleicht auf. .................................................... Ich hab Dich doch so gern. AGNES: Was sagst Du? HEINRICH: Ach bitte ... AGNES: Laß das. VIOLINA: Warum bläst der Held nur immer die Petroleumlampe aus? REGISSEUR: Aus Sparsamkeit. (Pause.) HEINRICH: Ich lasse mir das nicht mehr länger gefallen, verstehst Du? AGNES: Was Du nicht sagst. HEINRICH: Wie meinst Du das? (Pause. Clampencoeve kommt von links. Klopft an ein mitgebrachtes Brett, welches er dann auf den Boden niederlegt. Es klingt wie eine Tür beim Anklopfen.) VIOLINA: Was will der Mann? REGISSEUR: Wenn eine Tür da wäre, würde er daran klopfen. AGNES: Herein! (Heinrich versucht ein letztes Mal Agnes zu küssen, er rutscht dabei, da Agnes sich wehrt, vom Karussell ab, während Clampencoeve aufspringt.) AGNES: Sieh da, Clampencoeve. (Heinrich springt wieder auf. Pause.) HEINRICH: Was willst Du nur immer bei Agnes? AGNES: Du bist ein schöner Mann, Clampencoeve. CLAMPENCOEVE: Geborener Holländer. AGNES: Wieso eigentlich? CLAMPENCOEVE: Von Geburt. AGNES: Du bist doch noch gar nicht in Holland gewesen. CLAMPENCOEVE: Nooit, aber ich freue mich darauf. AGNES: Dann kannst Du doch kein Holländer sein? CLAMPENCOEVE: Bloß von Geburt. AGNES: Was ist denn Holland? CLAMPENCOEVE: Tulpenzwiebeln, Holzpantoffeln, Rijksmuseum, Gaudakäse, Delfter Töpfe, Rotterdam. Viele Grachten, nichts als Mühlen, platt wie Käse, Meeresbrandung, flache Dächer, Meisjes stramm. Eigenhäuser, blanke Fenster, Ruhesitze, Große Kähne, fette Wiesen, bunte Kuh. Alte Meister, viele Fähren, hohe Brücken, Klinkerstraßen, bunte Ochsen noch dazu. AGNES: Du bist zu nett, Clampencoeve. HEINRICH: Nicht doch ! (Pause, es klingelt.) HEINRICH: Schon wieder wer. AGNES: Ich liebe Besuch. SEHR: (kommt von links und springt ein, singt) Ich heiße Bitte Sehr. Die Ordnung ich verehr. Obgleich ich bin für Treue, Verehr ich sehr das Neue. Wissen Sie etwas Näheres vom Zusammenstoß? AGNES: Ich auch nicht, ich sitze nur im Vorstand zur Verhütung von Unfällen. SEHR: Wird man abspringen können? AGNES: Wir springen alle ab. SEHR: Und wie kommt man zurück? HEINRICH: Voraussichtlich (Bei diesen Worten sehr schnell Vorhang. Regisseur und Violina außerhalb des Vorhangs.) VIOLINA: Herr Regisseur, das mag schon richtig sein, Sie nennen meine Dichtung Phantasie. Doch meiner Dichterphantasie fiel Besseres ein. REGISSEUR: Dann zeigen Sie, wie kommen wir zu Ende? VIOLINA: Wir werden sehn. Ich bitte! (Macht eine Handbewegung, daß der Vorhang hochgezogen werden soll. Die Bühne ist vollständig dunkel, es sind 4 Filmflächen gegeneinandergestellt, auf denen nacheinander Teile der Oper erscheinen, wie wir sie schon erlebt haben und später noch erleben werden. Im Hintergrund Phantasielandschaft aus der 3. Szene mit Katze und Hund und Blumen. Virmula entdeckt den Zusammenstoß, Alma küßt Virmula; Potsdamerplatz. Rommel läuft in Angst. Teddi wird lebendig. Kellner zählt Geld. - Herren vom Nachtasyl verjagen Ordentlich. - Violina umarmt Bana. - Die große Katze und der große Hund sehen dem Tanz der Distelkavaliere und Puppenpannen zu; - Lobe, gute Stube, Bitte Sehr in langen Kleidern. Die Bühne wird für kurze Zeit dämmerig, die Blumen leuchten matt, die große Katze als Silhouette hat feurige rote Augen. Bühne verdunkelt sich. Folgende Filme rollen sehr schnell. Meisterlich beschlagnahmt Lautsprecher. Dorfkirche mit betenden Dorfbewohnern. Frau Rommel stützt sich auf ihren Schirm, spricht dabei unaufhörlich. Abfahrt der Gesellschaftsautos. Menge erwartet ungeduldig die Ankunft des grünen Globus. Trickaufnahme. Weltenraum mit Sternschnuppen. Man sieht nacheinander von Stern herunterschweben Agnes, Heinrich, Clampencoeve, Sehr. Agnes umarmt Noll, Heinrich reißt Agnes aus Nolls Armen. Clampencoeve springt auf Ordentlich, der umfällt. Sehr will Meisterlich umarmen, Bana erscheint eifersüchtig. Einzelaufnahme: Bana allein eifersüchtig. Wilde Phantasie von Untergang, aus durcheinander geschobenen Teilen, Panik, Auf- und Abschweben, Massenszenen. Großes Fragezeichen. Film bricht ab. Bühne vollständig finster.) LAUTSPRECHER: Die Erde wird voraussichtlich verbrennen. Wir kommen anschließend mit Onkel Heini. (Radioorchester spielt >Onkel Heini<. Langsam wird die Phantasielandschaft wieder hell. Die große Katze hat grünlich funkelnde Augen.) KATZE: gähnt Aur, aur, uuhaa Luh, luh, uuhii Haa, uuu, haaa. (Katze und Hund gelangweilt ab. Musik gähnt. Pause. Ein Pierrot, scharf beleuchtet, tritt auf, leise auf Fußspitzen mit eckigen Bewegungen. Finger auf dem Mund, horcht nach dem Orchester hin, ab. Währenddem entsteht im Orchester das Zwischenspiel der Musik. Symphonische Musik. Pause.) [Fortsetzung auf Seite 11] |
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