1919 -1920
Es war ein sehr begebenswürdiger Tag, an dem ich geschlachtet werden sollte.
    Merzbild Einundreissig
 
 
 
  Kurt Schwitters in Hannover  
 
  1921 - 1922  
 
 
  Assemblage, Öl auf Papier, Holz, Metall, Stoff, Watte, Karton, Holzrahmen, 98 x 66 cm, 118 x 85,8 x 8 cm (Rahmen)
unten links: KS / 20
Rückseite, oben links: Kurt Schwitters / Merzbild Einunddreissig / 5000 Kr. [die 5 war ursprünglich eine 2]

Inv.-Nr. D 12

Das Merzbild Einunddreissig ist eines der Hauptwerke aus der Frühzeit von ‘Merz’, der von Kurt Schwitters seit 1918 entwickelten ureigensten Kunstform und -theorie. Den Begriff (laut Schwitters die zweite Silbe von ‘Kommerz’) wählt er fortan zur Bezeichnung seiner umfassenden Aktivitäten als Künstler, Autor, Werbegrafiker und Verleger. In seinem programmatischen Text Die Merzmalerei definiert er: „Die Bilder Merzmalerei sind abstrakte Kunstwerke. Das Wort Merz bedeutet wesentlich die Zusammenfasssung aller erdenklichen Materialien für künstlerische Zwecke und technisch die prinzipiell gleiche Wertung der einzelnen Materialien. Die Merzmalerei bedient sich also nicht nur der Farbe und der Leinwand, des Pinsels, der Palette, sondern aller vom Auge wahrnehmbarer Materialien und aller erforderlichen Werkzeuge. [...] Der Künstler schafft durch Wahl, Verteilung und Entformung der Materialien.“ (Friedhelm Lach (Hg.): Kurt Schwitters. Das literarische Werk. Bde 1 – 5. DuMont Buchverlag Köln 1974 - 1988. Bd. 5. Köln 1981. S. 37)
Am Merzbild Einunddreissig wird das beschriebene Verfahren des Künstlers anschaulich: Schwitters integriert die heterogenen, ‘kunstfremden’ Materialien durch stellenweise Übermalungen in einem Maße, daß eine geschlossene Komposition entsteht. Die Transparenz der Schichten und die weiße Farbe erzeugen den Eindruck einer inneren Lichtquelle. Vom Zentrum ausstrahlende, spitzwinklige Formen scheinen die Bildfläche in eine rotierende Dynamik zu versetzen. Trotz der radikalen Erweiterung der bildnerischen Möglichkeiten bleiben bei Schwitters traditionelle Faktoren wie Ausgewogenheit der Komposition, Tiefenräumlichkeit, Bewegung oder Lichtgebung zentrale Kriterien seiner Kunst.


Provenienz
Hannover, Sprengel Museum Hannover, seit 1979 (Leihgabe) – Hannover, Sammlung NORD/LB in der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, seit 1994 (Kauf) – Hannover, Niedersächsisches Landesmuseum, 1969–1979 (Leihgabe) – Lysaker (Norwegen), Ernst Schwitters, 1948–1994 (Erbschaft)


Quelle:
Kurt Schwitters. Werke und Dokumente. Verzeichnis der Bestände im Sprengel Museum Hannover. Hrsg. Karin Orchard, Isabel Schulz. Sprengel Museum Hannover 1998. Kat.-Nr. 24.
Der Katalog enthält weitere Informationen zu diesem Werk. (Ausstellungen und Veröffentlichungen)
 
 
  Merzbild Einunddreissig  
  Merzbild 1920  
1920
 
 
 
   
 1919 -1920