1919 -1920
Es war ein sehr begebenswürdiger Tag, an dem ich geschlachtet werden sollte.
    Die Zwiebel V
 
 
 
  Kurt Schwitters in Hannover  
 
  1921 - 1922  
 
 
  Es war ein ganz eigentümliches Gefühl, wieder lebendig zu sein. Selterswasser Segel leuchten Duft Maria. Ich fühlte, daß ich ein wenig Pose machen mußte, und so machte ich ein wenig Pose. (Der König starb gerade.) Mit großer Geste ging ich auf die Königstochter zu und reichte ihr stumm die Hand. (Küsse mich!) Die Königstochter fiel vor mir auf ihre hübschen spitzen Knie. (Aus der engeren Heimat.) Der Arzt fletschte inzwischen Eisbeine. Fortsetzung der offenen Stellen in der Beilage. Sie bat mich inständig, nun ihren Vater zu erretten. (Das Glück im Haidehaus.) Ich wußte, daß ich hier nicht gutmütig sein durfte, an der Gutmütigkeit erkennt man den Dummen. (Anna Blume bleibt hart.) (Gefährliches Alter.)
»Dein Vater«, sagte ich, »der König, der König bleibt tot.« (Schleifleder aus Seehundsfellen.) Der Arzt fiel in Ohnmacht. Ich ließ dem König zwei gelbe Wachskerzen in die Löcher im Bauch stecken und ließ die Kerzen anzünden. (Briefmarken werden in Zahlung genommen.) Als die Flamme durch die Löcher in den Bauch des Königs schlug, explodierte der König. Das Volk aber brachte ein Hoch auf mich aus. (Sozialismus heißt arbeiten.)



Quelle:
Kurt Schwitters. um 1920.
Zitiert nach Friedhelm Lach (Hg.): Kurt Schwitters. Das literarische Werk. Bde 1 – 5. DuMont Buchverlag Köln 1974 - 1988. Bd. 2. Köln 1974. S. 22
 
 
  Die Zwiebel  
  Ein prosaisches Merzgedicht  
 
 
 
   
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