Juni 1940 - Dezember 1941
In Internierungslagern
    Gefangen
 
 
 
  Exil in England  
 
  Dezember 1941 - Juni 1945  
 
 
  Gefangen

Die Sterne erlöschen ihren Glanz
- Ich bin gefangen, gefangen.
Zwar liege ich nicht in Ketten,
Doch bin ich tot, ich schlafe.
- Ich bin gefangen, gefangen.
Mir geht das Leben
Der Sterne vorbei.
Mich kennt es nicht, mich weiß es nicht.
Geächtet liege ich im Tal.
Gebt mir Gerechtigkeit!
Was habe ich getan?
Und weshalb sperren sie mich ein?
Ein Flüchtling bin ich.
Das ist alles.
Ein Flüchtling ohne Heim.
Hab ich denn nicht genug verloren?
Weib, Haus und Land?
Doch bleibt mir die Unendlichkeit der Sterne
Und die Vergangenheit und Zukunft.
Und deshalb sperren sie mich ein.
- Wer hört mein Rufen? „Steht mir bei!“
Ich soll verdorren wie ein Blatt
In einer Welt von Blumen.
Verdorren soll ich, weil ich bin.
Und über mir zerbrechen die Sterne.
- Ich bin gefangen!



Quelle:
Kurt Schwitters. um 1941.
Zitiert nach Friedhelm Lach (Hg.): Kurt Schwitters. Das literarische Werk. Bde 1 – 5. DuMont Buchverlag Köln 1974 - 1988. Bd. 1. Köln 1988. S. 135
 
 
  Gefangen  
  Gedicht  
 
 
 
   
 Juni 1940 - Dezember 1941