Exil in England
Juni 1940 - 1948
    Kurt Schwitters - ich will ausbuddeln
 
 
 
  1939 - Juni 1940  
 
  Juni 1940 - Dezember 1941  
 
 
  Lieber Krischan und liebe Louise (als Tippe, weil er nicht kann.)!
Sag mal Louise, Wieschen, was kann er eigentlich, wenn nicht tippen? Ein bisschen dichten und sonst? - [...]
Also wir sind in Verbindung getreten. Warum heisst es eigentlich getreten? Man kann einem in den Hintern treten und mit einem in Verbindung treten. Dann ist man ihm sehr verbunden. [...]

I was thrilled, das ist hoch begeistert, zu lesen, dass es möglich ist, dass unter den Trümmern noch ein Teil des Merzbaues verschüttet sein könnte.
Ich will dann unter allen Umständen versuchen, nach Hannover zu kommen, um es zu bergen. Doch da bitte ich zu helfen, dass es nicht zerstört wird, bevor ich es retten kann. [...] Wenn die Leute aufräumen, so sollen sie unbedingt mit den beiden Räumen und dem Balkon warten, bis ich komme, denn der Merzbau ist aus Gips und leicht zu zerstören.
Hingegen kann ich durch langsame Arbeit Teile sicherlich retten. Und es lohnt sich wirklich, da es mein Lebenswerk war. Und es galt sehr viel in der Meinung des Auslandes als neues Gebiet der Kunst.

Ich will versuchen amerikanisches Geld zu interessieren, ich würde die Reste oder Bruchstücke ausgraben, wie man es mit antiken Ruinen tut, und an Amerika verkaufen. Ich könnte davon leben, während ich ausgrabe, und immerhin, ich bin der Eigentümer meiner Arbeit und habe ein Recht daran, daß es nicht durch Schuttabtragen zerstört wird. [...]
Es mag sein, daß ich eines Tages zurückkehre. Ich will ausbuddeln. [...]
Now all the best to all of you!
Love Kurt.


Quelle:
Kurt Schwitters. Brief aus Ambleside, England, an Christof Spengemann vom 25.4.1946
Zitiert nach Ernst Nündel (Hg.): Wir spielen bis der Tod uns abholt. Briefe aus fünf Jahrzehnten. Frankfurt/ Main 1975. S. 193/ 194
und Werner Schmalenbach: Kurt Schwitters. München 1984. S. 69
 
 
  Stipendium  
  Unterstützung für ein Lebenswerk in drei Bauten  
 
 
 
   
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