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| [Eine der dadaistischen Konstruktionen. d.Red.] trägt den Titel "Die heilige Bekümmernis" und unterscheidet sich von den anderen bekannten Konstruktionen durch ihre Höhe und eine Schneiderpuppe, die auf etwas steht, das wie ein hoher Schemel oder Sockel aussieht. [...]
An einer Schnur um den Hals der Puppe hängt ein merkwürdiger, vorn offener Kasten, dessen Innen- und Oberflächen mit Texten und Bildern beklebt sind. An einer Seite sitzt eine Kurbel (möglicherweise von einer Kaffeemühle), obendrauf steht eine angezündete Kerze. Am Hals der Puppe hängt außerdem ein Bettelplakat, das vermuten läßt, daß es sich bei dem Kasten um den Bauchladen eines Straßenhändlers handeln soll; allerdings legt die Kurbel auch den Gedanken an ein Kindertheater oder eine Drehorgel nahe. Der Titel und die einem Heiligenschein ähnelnde Platte hinter dem fehlenden Kopf sind vielleicht auch eine Anspielung auf die heilige Kümmernis, eine Märtyrerin, die sich einen Bart wachsen ließ, um ihre Jungfräulichkeit zu bewahren - genau die Art von Geschichte, die Schwitters gefallen konnte. Auf jeden Fall wurde das Gebilde im "Börsenkurier" [*] als "psychoanalytische Komposition" bezeichnet (mit dem Zusatz "ist es auch Wahnsinn, hat es doch Methode"), obwohl Hans Richter es "Schwitters Weihnachtsbaum" nennt. Es trägt in der Tat die Aufschrift "Wahnsinn! Fröhliche Weihnachten", was beide Interpretationen stützen würde. Diese phantastische Konstruktion ist ebenso verschollen wie alle anderen Dada-Objekte. Schwitters baute sie in die Grotten des Merzbaus ein [...]. [* Im "Börsenkurier" vom 31.10.1924 wurde das Foto veröffentlicht. Anm.d.Red.] Quelle: John Elderfield: Kurt Schwitters. Düsseldorf 1987. S. 157/ 158 |
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