Kurt Schwitters = Merz
Merz ist Kunst und Nichtkunst
    Käte Steinitz erinnert sich
 
 
 
  Malerei vor der Erfindung von Merz  
 
  Bildende Merzkunst  
 
 
  Der Keller [der Druckerei Molling, in den durch eine Falltür alles verdruckte Papier gefegt wurde,] war ein Fundgrube für Kurt Schwitters. Wenn er zum Nachhausefahren nicht da war, konnte man ihn sicher in dem Abfallkeller finden. Er kauerte am Boden und sortierte Mengen verdruckter Bogen, halbfertiger Bogen im ersten Zustand eines Fünffarbendrucks. Auch der zweite Zustand war noch zu gebrauchen. Die fertige Bilderbuchillustration war nichts für ihn. Er fand sie abscheulich. Er sortierte die Blätter, wie ein Kenner kostbare Drucke in graphischen Kabinetten durchsieht. Er legte sie in Stößen beisiete, rollte sie, band sie zusammen, soviel sein Rad tragen konnte und wahrscheinlich noch mehr. Auf einmal öffnete sich oben die Falltür, eine Lawine von Papier kam herunter. Ich stand mit den Kindern in der Tür in Sicherheit. Aber die Lawine traf Kurt Schwitters und drohte ihn zu begraben. Er stand gebückt und wehrte sich mit den Schultern, richtete sich inmitten der Lawine auf wie Gargantua, drehte sich im Papierwirbel und fing mit beiden Armen Papier, Papier, Papier. Zu seinen Füßen türmten sich Berge von Papierklumpen und Fetzen. Kurt Schwitters stöhnte und lachte. Schließlich kam er lebendig heraus.




Quelle:
Käte T. Steinitz: Kurt Schwitters. Erinnerungen aus den Jahren 1918 - 1930. Zürich 1963. S. 71 f.
 
 
  Schwitters auf Materialsuche  
  Anekdoten  
i-Zeichnung aus verdrucktem Papier
 
 
 
   
 Kurt Schwitters = Merz 1 2