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| Die Kunst der Gegenwart ist die Zukunft der Kunst.
Merz ist ein Standpunkt, den jeder benutzen kann. Von diesem Standpunkt aus, kann er nicht nur die Kunst, sondern alle Dinge, mit einem Wort die Welt betrachten. Für mich ist Merz eine Weltanschauung geworden, ich kann meinen Standpunkt nicht mehr wechseln, mein Standpunkt ist Merz. Dieses wurde so während der Arbeit eines Jahrzehnts. Ich bitte den Leser, mir hier nicht böse zu sein, daß ich von mir selbst viel schreibe, aber die Entwicklung des Gedankens Merz hängt ganz eng zusammen mit meiner persönlichen Entwicklung, ist von ihr untrennbar. Vergleicht man hier und da in der Welt den Einfluß von Merz auf größere Kreise, wie z.B. merkwürdigerweise besonders in Gruppen, wo die Zeitschrift MA ganz Merz zu sein scheint, so haben wir doch, soviel mir bekannt geworden ist, meine Anhänger nicht wesentlich Neues oder Wichtiges zur Entwicklung hinzugetragen. Für den Standpunkt, den ich Merz nenne, sind 3 Voraussetzungen: 1. Der Mensch kann nichts schaffen im Sinne der allmächtige Gottheit, er kann nichts aus dem Nichts schaffen, sondern bloß aus bestimmten Gegebenheiten, aus bestimmtem Material. Das Schaffen des Menschen ist nur Gestalten von Gegebenem. 2. Die Vollkommenheit ist uns Menschen unerreichbar. 3. Der Künstler will im Werk nur das erstreben, was er auch erreichen kann. Dazu kommt das ernste Streben, alles so gut, so ehrlich, so offen, so logisch wie möglich zu machen. Was sich hieraus ergibt, ist Merz. Merz ist das Lächeln am Grab und der Ernst bei heiteren Ereignissen. Quelle: Kurt Schwitters. Merzbuch I. 1926. Zitiert nach Friedhelm Lach (Hg.): Kurt Schwitters. Das literarische Werk. Bde 1 – 5 Köln 1974 - 1988. Bd. 5. Köln 1981. S. 247 - 248 |
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