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| Zumindest Teile des ersten Kapitels des fragmentarischen Romans "Franz Müllers Drahtfrühling" entstanden 1919 unter dem Titel "Ursachen und Beginn der großen glorreichen Revolution in Revon." Kapitel zwei und drei verfaßte Schwitters 1923 zusammen mit Hans Arp während eines Badeurlaubs auf Rügen.
Zur Handlung: Die Revolution in Revon wird ausgelöst durch einen Mann, der steht. ("Mama, da steht ein Mann." - "Ja." - "Mama, da steht ein Mann." - "Ja." - "Mama, da steht ein Mann." - "Wo?" - "Mama, da steht ein Mann." - "Wo?") Er steht und verursacht damit einen Menschenauflauf. Indem er nur steht und auf die wiederholt gestellte Frage "Mann, warum stehen Sie?" nicht reagiert, treibt er Herrn Dr. Friedrich August Leopold Kasimir Amadeus Gneomar Lutetius Feuerhake und dessen Frau Gemahlin Frau Dr. Amalie an den Rand des Nervenzusammenbruchs und Alves Bäsenstil von der trocken wiederholten Feststellung: "Dieser Mann ist ein Verbrecher" zu einer feurigen Rede: "Ihr Leute, hört auf mich, seht diesen Mann an, dieser Mann fordert Euch heraus. ... Ich aber sage Euch die Wahrheit, dieser Mann ist ein Verführer, wer aber Euch verführt, beleidigt Euch. ... Handelt, handelt, handelt!" Während das Volk jubelt und tobt, holt Feuerhake den Schutzmann - und "Da geschah das Unerhörteste. Langsam und in Ruhe einer vollkommenen Maschine ging der Mann, freundlich nach allen Seiten grüßend, aber nicht mit dem Beamten, sondern in entgegegesetzter Richtung. Die Weiber kreischen, die Männer staunen Bäume, die Kinder liefen Schrei. Frau Dr. Amalie fuhl in ihre zweite Ohnmacht, wobei es ihr sehr vonstatten kam, daß sie noch auf der Rasenbank ruhte. Der Beamte aber stand, wie der Mann vorher gestanden hatte; und der Mann ging." Mitten im Kapitel, als die Ereignisse sich in ständigen Wiederholungen steigern und über die Bürger hinwegrollen, erscheint Anna Blume auf der Bildfläche. "Jawohl, lieber Leser, dieselbe Anna Blume, von hinten wie von vorne A-N-N-A, aber es war noch vor der Zeit, als Steegemann sie verlegt hatte, sie war noch nicht einmal im "Sturm" erschienen, geschweige denn durch den deutschen Blätterwald mit Anmerkungen der Redaktion gehetzt." Während Frau Dr. Amalie in ihre erste Ohnmacht fällt, "war es Anna Blume möglich, ein wenig näher vorzukommen. Sie sah jetzt den Mann ganz deutlich, ein schöner Mann, ein wenig zerlumpt angezogen, so etwa wie der Volksmund sich Franz Müller vorstellt. Der Anzug war auch etwas eigenartig. Anna Blume dachte dabei etwa an die Merzplastiken des Autors. Er war nicht etwa gestopft oder geflickt, sondern mit Brettern vernagelt und mit Draht umspannt." Unschuldiges Wesen, das Anna Blume ist, läßt sie sich nicht von den Feuerhakes und Bäsenstils anstecken, sondern Franz Müller, die wandelnde, nein: stehende Merz-Plastik ("ekelhaft, so etwas in die Tat umzusetzen") "tat ihr so leid, sie wußte nicht weshalb." Und dies war der Moment, in dem eine wundersame Liebe zwischen der lyrischen Anna ("Blau ist die Farbe Deines gelben Haares, Rot ist die Farbe Deines grünen Vogels, Du schlichtes Mädchen im Alltagskleid") und dem prosaischen Franz ("Franz Müller fand einen leckeren Müllhaufen. Die Stadt Revon hatte ausgezeichnete Müllhaufen") hätte ihren Anfang nehmen können. |
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