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| Anna Blume ist ein Gedicht. Es ist das erste Merzgedicht, das Kurt Schwitters schrieb, seine bekannteste und populärste Arbeit.
"An Anna Blume" überträgt romantische und idealistische Gefühle in eine Sprache voller Klischees, legt darüber eine aufgesetzt-irrationale Struktur und schafft damit eine isolierte private Fantasiewelt, die in ihrem Gestus doch jedem verständlich ist. Anna ist eine der Schwitterschen Blumen, die immer neue Blüten treiben. Sie wandert durch seine Merzwelten, taucht bei Schlachtungen und Hinrichtungen auf, ist Zeugin von Arbeiterunruhen und Bürgerrevolten, jungfräulich und mitleidend. Anna lebt in Hannover, im KOTSbild und in einer Welt, in der Männer auf dem Kopf stehen und Lokomotiven rückwärts fahren. Anna Blume blühte nicht (wie manches Veilchen) im Verborgenen, sie war im Gegenteil die Figur, die Schwitters auschlachtete, um Merz und seine Kunst bekannt zu machen - Anna Blume war eine Werbeaktion, die Schwitters Popularität und Ablehnung einbrachte. Zwischen 1919 und 1922 erschienen drei Anthologien mit heterogenen literarischen Arbeiten und Annas Namen: "Anna Blume. Dichtungen." Verlag Paul Steegemann Hannover. Band 39/ 40 der Reihe "Die Silbergäule". 1919 und 1922. (13.000 Exemplare in 3 Auflagen) "Elementar. Die Blume Anna. Die neue Blume Anna." Von Kurt Merz Schwitters. Gedichtsammlung aus den Jahren 1918 - 1922. Verlag Der Sturm. Einbecker Politurausgabe. Berlin 1922. "Memoiren Anna Blumes in Bleie. Eine leicht fassliche Methode zur Erlernung des Wahnsinns für jedermann." Von Kurt Merz Schwitters. W. Heinrich Verlag Freiburg 1922. Der entscheidende öffentlichkeitswirksame Coup aber war eine Plakataktion. Anfang 1920 prangte an den meisten Litfaßsäulen der Stadt Hannover ein großes Papier, auf dem die 10 Geboten, blau auf weiß gedruckt, zu lesen waren. Eine gute Woche später plakatierte Paul Steegemann, Annas Verleger, an denselben Stellen und in derselben Größe das Gedicht "An Anna Blume". "Lachend, lesend, kopfschüttelnd stehen die Menschen davor. Der Mann ist verrückt, sagen die meisten, nachdem sie gelesen haben." (Niedersächsischer Volksbote) Die Aktion war ein Eklat und ein Erfolg. Steegemann wurde mit Leserzuschriften geradezu überschüttet, "Kurtchen" ob seines augenscheinlichen Wahnsinns bemitleidet und beschimpft. Gedichte wie die "Hinrichtung" ("Ein Mensch verlangte die Hinrichtung Anna Blumes") und "Der Gefangene", beide allerdings von Lach um 1919 datiert, lassen sich als Schwitters Antworten auf mordlustige Publikumsreaktionen und auf die Kritik des politischen Berliner Dadaismus (s.a. page 1) interpretieren. Anna Blume aber blieb in aller Munde, war Schlager und Bestseller, den Schwitters bei allen Gelegenheiten zitierte und rezitierte. |
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