Texte für Bühne und Gesang  
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  Schwitters tat sich nicht nur als Theoretiker der Merzbühne hervor, er schuf auch zahlreiche, oft unvollendet gebliebene Szenen und Schauspiele.

"Aus der Welt: Merz", geschrieben zusammen mit Franz Rolan, ist ein frühes Stück, doppeldeutig vom Titel bis zur Gattungsform: es ist weniger dramatische Literatur, als dramatische Diskussion der Merzbühne und anschauliche Theorie zur Funktion des Theaters.

Anders das Opernlibretto "Der Zusammenstoß", das Schwitters zusammen mit Käte Steinitz Ende der 20er Jahre schrieb.
Die Geschichte erzählt von lustvoller Panik angesichts des bevorstehenden Weltunterganges - ein Science-fiction-Thriller: ein neu entdeckter Himmelskörper, der grüne Globus, rast auf die Erde zu und droht mit ihr zusammenzustoßen. Auf dem Potsdamer Platz in Berlin soll der Zusammenstoß stattfinden, mitten im Zentrum der modernen alten Welt, wo in den Cafés trotz allem der "Onkel-Heini-Schlager" gesungen und im Modesalon die "neue Mode zum Zusammenstoß" präsentiert wird; wo der Chor der Zeitungsverkäufer sich mit den neuesten Ausgaben zum neuen und zum "neuesten Weltuntergang" selbst überbietet.
Keiner weiß, was passieren wird, aber der Astronom rechnet und rechnet, das Radio nimmt Funk-Kontakt mit dem unbekannten Planeten auf ("Hier Berlin auf der Erde/ Welle unendlich") und "Meisterlich" will mit "Ordentlich", dem Anführer des "Chores der Ordnungpolizei", den Untergang organisieren; im Nachtasyl setzen die gelangweilten Herren die "Ordnungsfritzen" vor die Tür; auf einer Verkehrsinsel mobilisiert ein redenschwingender Veteran die Menge: "Gründen wir einen Verein"; in der Spelunke versammeln sich "Anarchisten, Kommunisten, Pazifisten/ Nationale, Rationale, Räucheraale, Librettisten, Monarchisten, Steuerlisten/ Liberale, Radikale, Weinpokale"; und der Regisseur outet mit Licht ("Electricien, etwas mehr Licht") und Schauspielerkritik ("Ihr spielt zwar gut/ Doch spielt Ihr nicht ganz richtig ... Bedenkt, ein Untergang steht Euch bevor") den grünen Globus und die nahende Katastrophe als Inszenierung.

"Der Zusammenstoß" bricht mit allen Gattungsgrenzen. Er ist gleichermaßen Lehrstück und Satire, pathetisches Theater, Cabaret und Revue. Er baut illusionistische Kulissen auf, um sie zu enttarnen, erweckt Stofftiere und Requisiten zum Leben, läßt mehrere Bilder simultan spielen, integriert den Film ins Bühnenwerk.
Die Oper ist ein multimediales Spektakel, das eine ganze Bandbreite von Schwitters dichterischer Arbeit zu einem zusammenhängenden Stück bindet: von der romantischen Beschwörung des Untergangs zu zweien, über die Deklamation von Zahlengedichten durch einen Oberkellner bis zum Ausbruch der panischen Menge in die Laute der Ursonate, praktizieren die Figuren merzliche Verhaltensweisen. Aufgeführt wurde das Stück bis heute nicht.
 
 
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  Publikumsdiskussion oder Merzbühnenwerk  
 
 
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