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| Schwitters nannte seinen dritten Merzbau "Merz Barn", da er in einer steinernen Scheune (barn) untergebracht war. Sie lag abseits von Stadt und Wohnsiedlungen, in einer Berglandschaft am Lake Elterwater.
Die Innenplastik unterschied sich deutlich von den Merzbauten in Hannover und Lysaker: waren jene von geometrischen, und später von geglätteten abstrakten organischen Formen geprägt gewesen, so zeigt die letzte Arbeit Schwitters Strukturen, die sich detailreicher an den pflanzlichen und steinernen Naturgestalten der Umgebung orientieren - ohne dabei minder abstrakt zu sein. Das Kompositionsprinzip der Merz Barn folgt dem der Vorgängerbauten: von den Wänden her wachsen plastische Strukturen in den Raum hinein, verschleifen dessen architektonisches Grundgerüst und schaffen Nischen für Skulpturen und säulenartige Gebilde. Objets trouvés bildeten auch in der Barn die Ausgangspunkte für das Wachstum des Wandreliefs. Sie wurden nicht in Grotten ausgestellt und versteckt, aber doch so verarbeitet, daß sie zwar sichtbar, aber nicht auf den ersten Blick identifizierbar sind. Sie wirken wie nach und nach von den Reliefstrukturen überwuchert. Wie in Hannover und Lysaker war die Oberfläche überwiegend weißlich gekalkt und mit einigen farblichen Akzenten versehen, so daß das Licht die plastischen Qualitäten des Reliefs besonders gut modelleiren konnte. Ein Dachfenster wurde ausdrücklich als Lichtquelle eingeplant, die die räumlichen Dimensionen der weißen Plastik mitgestalten sollte. In Hannover hatte Schwitters einst die Kathedrale des erotischen Elends mit vielen kleinen elektrischen Lichtern versehen, die die plastischen Qualitäten der Höhlen und Grotten variieren konnten. Fenster als Verbindung zur Umgebung spielten in allen drei Bauten eine Rolle. Vom Ende ihrer Entwicklung aus gesehen, scheinen die Merzbauten das Licht als elementare Qualitäten aufzeigendes, Verbindungen herstellendes und Formen veränderndes Prinzip zu akzentuieren - und es neben Collage und Assemblage als wesentliches Merzprinzip zu erproben und zu etablieren. Schwitters hatte Kunst stets als begrenzten Raum von Natur unterschieden - das schöpferische Prinzip, Wachstum und Entwicklungsfähigheit verband beide. In der Merz Barn scheint nun die Beziehung zwischen Kunst und Natur ausdrücklich als enge Verwandtschaft analoger Schaffens- und Konstruktionsprinzipien thematisiert. |
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